Ausruhtag in La Paz (Do 29.07.2010)
Ich erwachte relativ früh, denn die Geschichte mit dem iPod ging mir nicht aus dem Kopf. Nach dem ich noch ein paar Wörter im Spanischlexikon nachgeschlagen hatte ging ich zur Rezeption. Entweder wollte der Rezeptionist mich nicht verstehen oder er hat es wirklich nicht. Ich glaube fest er wollte nicht. Mit Englisch kam ich bei ihm leider nicht an.
Nach dem Frühstück wollten wir in die Stadt. Doch bis wir los kamen wurde es schon fast Mittag. Als ich sah das am Empfang der Englisch sprechende Mann wieder da war, nutzte ich die Gunst der Stunde. Mit Hilfe von Barbara konnten wir noch mal einen Blick in die gesuchte Tasche werfen. Dort fand ich dann auch den IPod, unversehrt. Letztendlich war es gut, dass mir das passiert war, denn wir hatten Donnerstagmittag und die Tasche war noch nicht in der Wäscherei gewesen. Ich weiß nicht, wann das Hotel sie sonst zur Wäscherei gebracht hätte, wenn wir sie nicht noch mal “erinnert” hätten. In einem hübschen Café (Banaisa) nahe der Franziskuskirche, aßen wir zu Mittag. Da es uns dort sehr gut gefiel, bestellten wir später auch noch Kuchen und Cappuccino. Der Apfelkuchen war ein Traum, nicht zu süß, ohne Rosinen mit etwas Zimt, einfach lecker!
Rucksäcke packen
Im Hotel packten wir unsere Rucksäcke, so gut es ohne die saubere Wäsche ging und legten uns zum Lesen in die Schlafsäcke. Augusto hatte uns morgens mitgeteilt, dass wir diesmal nur die Rucksäcke als Gepäck mitnehmen würden. Die Reisetaschen mussten aus Platzgründen im Hotel bleiben. Schweres Gepäck, wie Steigeisen, Kletterausrüstung, Schlafmatten und Schlafsäcke durften wir an unsere Träger abgeben.
Um 18:00 Uhr gingen wir los in Richtung Pizzeria. Diesmal bestaunten wir noch die Pizza “medio” mit großen Augen, die bestimmt in Deutschland als “groß” durchgegangen wäre. Beim nächsten Besuch sollte das anders werden.
Zurück im Hotel mussten wir leider feststellen, dass die abgegebene Wäsche noch nicht gereinigt zurück war. Eine Stunde später fragte Peter erneut nach und erhielt als Antwort, dass diese immer noch nicht fertig sei. Da platzte ihm die Hutschnur, er bestand darauf die Wäsche auf der Stelle zurück zu bekommen. Keine Viertelstunde später hielten wir unsere Tasche mit der sauberen Wäsche in den Händen. Die Strümpfe und das eine oder andere T-Shirt waren noch nicht komplett trocken, aber der Großteil war es. Wo lag da nur wieder das Problem? Über Nacht legten wir die feuchten Kleidungsstücke im Zimmer aus, in der Hoffnung, dass sie am nächsten Tag trocken seien.
Unser erster 6.000er (Huayna Potosi 6.088 m) (Fr 30.07. bis Sa 31.07.2010)
Zum Frühstück hatten wir uns mit Peter zu 07:00 Uhr verabredet. Vorher tätigten wir noch schnell die letzten Handgriffe an unseren Rucksäcken. Die Autofahrt zum Zongo Pass ging um 08:15 Uhr los. Wir nahmen anfangs denselben Anfahrtsweg wie zur Condoriri Gruppe. Nur ging es diesmal etwas früher in die Büsche bzw. auf die Schotterpiste. Nach gut zwei Stunden erreichten wir den Pass und das Taxi hielt.
Wir hatten von La Paz noch einen weiteren Träger mitgenommen, der dann von uns die Schlafsäcke und Kletterausrüstung bekam. Der Weg vom Pass zum Campo Alto Roca, eine Bergsteigerhütte die Mitte 2006 erbaut wurde, war sehr steinig. Anfangs gingen wir eine Moräne hinauf, am Ende dieser mussten wir uns registrieren. Dort saßen zwei Frauen, die mit Zettel und Stift bewaffnet waren und jeden in ein Heft eintragen ließen, der diese Stelle passierte. Damit ihnen nicht allzu langweilig wurde, lief nebenbei ein Radio aus dem bolivianische Musik tönte. Nun lag bis zur Hütte (5.130 m) noch ein großes Blockgesteinfeld vor uns, was bewältigt werden musste.


Unsere Träger waren bereits an der Hütte, als wir ankamen. Zu dem hatten sie uns ein leckeres Sandwichmahl vorbereitet. Dazu gab es wie immer Tee, Obst und Powerriegel. Nach der Stärkung hieß es für uns Weitermarsch zum Schlafplatz. Die meisten Bergsteiger übernachten in der Hütte und gehen von dort aus zum Gipfel. Augusto hatte für uns eine Gletscherübernachtung im Hochlager geplant.
Über den Gletscher
Wir verabschiedeten uns von unserem Träger aus La Paz und gingen zum Gletscherrand. Dort seilten wir uns ein und nahmen unsere gewohnten Positionen in der Seilschaft ein. Das erste Stück war sehr steil und eisig und ließ uns ordentlich schnaufen. Danach ging es weiter über ein kurzes Felsstück um anschließend wieder auf dem Gletscher zu landen. Noch bevor die Sonne hinter dem Berg verschwand erreichten wir unseren Lagerplatz auf etwa 5.400 m. In Null komma nix zogen wir uns beide die warmen Jacken über, denn die Sonne sollte in weniger als fünf Minuten verschwunden sein. Im Schatten wurde es schlagartig kalt, richtig kalt. Doch bevor wir in unsere Zelten kriechen konnten halfen wir beim Zeltaufbau. So standen innerhalb kürzester Zeit drei Zelte beieinander zur Übernachtung bereit. Wir hatten extra noch ein paar wärmende Pullover mitgenommen, um diese im Hüftbereich unterlegen zu können. Barbara und ich hatten ein Zelt zusammen, Peter hatte sogar den Komfort eines Einzelzeltes, während die Peruaner sich ein Zelt teilten. Zusätzlich wurde ihr Zelt als Kochzelt benutzt. Im nach hinein betrachtet war das Einzelzelt kein Komfort, denn Peter hatte keinen der im Zelt für weitere “Wärme” sorgte. So wurde es für ihn eine eisige Nacht.


Ruhe vor dem Gipfelsturm
Vor dem Abendessen, welches wir im Zelt einnahmen, legten wir uns noch mal zur Ruhe. Die ungewohnte Schlafhöhe und die Kälte ließ uns kein Auge zu machen. Das versprach eine tolle Nacht zu werden! Wir hatten wirklich alles an, was der Rucksack zu bieten hatte und das war nicht gerade wenig. Während wir uns Gedanken über die Nacht machten, hatten die Peruaner damit zu tun Schnee zu schmelzen. Denn zum Kochen brauchten sie Wasser und wenn kein fließendes vorhanden ist, muss eben Schnee geschmolzen werden. Als die Dunkelheit bereits Einzug erhalten hatte, reichte uns Hector eine Gemüsesuppe ins Zelt. Die ordentlich dampfende Portion wärmte uns von innen auf.
Als Hauptgang bekamen wir diesmal Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesankäse. Ich weiß nicht, ob es die ungünstige Sitzposition oder die Höhe das Problem war, jedenfalls kämpften wir beide mit unseren Portionen. Hatten wir zwei Tage zuvor in La Paz noch jeweils zwei Teller Nudeln gegessen, so schien die kleine Schüssel schon ein Hindernis zu sein. Da wir die Kohlenhydrate aber für den nächsten Tag brauchten, wurde gestopft was ging. Letztendlich hatten wir auch dieses Problem gelöst. Ein Nachtisch gab es nicht, der hätte auch nicht mehr gepasst.
Bevor wir uns zum Schlafen hinlegten, wollten wir uns der überschüssigen Flüssigkeit entledigen. Als wir aus dem Zelt kletterten, schoss uns der Wind direkt ins Gesicht, keine gute Aussicht für die kleine Toilette. Doch der Wind zeigte sich freundlich und wir konnten unser Geschäft bald abschließen. Auf dem Weg ins Zelt nahmen wir von Peter eine zusätzliche Daunenjacke und Skihose mit in unser Zelt, die er wohl nicht brauchte. Beide sollten unsere Füße warm halten. Wir zogen unsere Tageskleidung aus und schlüpften bei eises Kälte in lange Unterwäsche, Fleecehose und -pullover sowie warme Socken. Wir benutzten zwei Schlafsäcke. In den Äußeren steckten wir unsere Innenschuhe von den Schalenschuhen, sowie die feuchten Socken und die Wasserflaschen vom Tag. Dies ist die einzige Möglichkeit in der Höhe Sachen zu trocknen oder vor dem Einfrieren zu schützen. Der Schlafsack wurde bis oben hin zugezogen, die Mütze aufgesetzt, Ohrstöpsel rein und gute Nacht! Langsam aber sicher breitete sich auch Wärme im Körper und sogar den Füssen aus.
Gipfeltag des Huyana Potosis
Die Nacht ging bis 02:30 Uhr. Es war Samstag. Augusto rief nach uns aus dem Nachbarzelt, um uns damit zu wecken. Wir bekamen das Frühstück, Cracker, Amerikaner, Marmelade, Butter und Tee, ins Zelt gebracht. Anschließend zogen wir uns weitere warme Klamotten an und gingen aus dem Zelt. Dort zogen wir unsere Klettergurte und Steigeisen an. Herannahende Stimmen verrieten uns, dass eine erste Gruppe aus der Bergsteigerhütte unterwegs war. Als wir fertig im Seil eingebunden waren, verabschiedeten wir uns von Yesenia und gingen in die Dunkelheit, im Leuchtkegel unserer Stirnlampe.
Wie so oft hatte ich in den ersten Stunden meine Probleme. Mir war Übel. Leider kann ich nicht sagen, ob das vom Essen kommt oder mein Körper zu solchen Uhrzeiten noch keine Höchstleistungen leisten möchte. Letztes Jahr in Ecuador hatte ich das gleiche Problem mit der Übelkeit, da entschieden die Bergführer kurzerhand, dass Schluss sei. Dies sollte nicht passieren. In der Regel verschwindet meine Übelkeit nach einer gewissen Einlaufphase auch. Deshalb trottete ich einfach dem Seil hinterher und versuchte meine Gedanken woanders hinzu lenken. Nach Überschreitung eines größeren Bergschrunds ging es mir auch schon besser und ich wartete nur noch auf die aufgehende Sonne. Bis dahin musste ich mich aber noch etwas gedulden, denn ein kräftiger Sturm forderte vollen Einsatz, der Konzentration und Kräfte. Als wir das Bergstück hinter uns lassen konnten, ging es gemächlicher vom Anstieg her zu.

Aufstieg im Morgengrauen
Die Sonne geht auf
Bei Sonnenaufgang erreichten wir den letzten Grad unseres ersten 6.000er. Eine kurze Trink- und Sonnenbrillenpause stärkte uns für die restlichen Höhenmeter. Auf dem Gipfelgrat jagte uns der Wind zwar noch mal ordentlich Kälte in die Knochen, aber ich wusste, wir würden es schaffen. Um 08:00 Uhr standen wir auf dem Gipfel des Huayna Potosi!

Gipfel Huayna Potosi (6.088m)
Vor uns ein riesiges Wolkenmeer und in der Ferne der Hausberg von La Paz, der Illimani. Da wir nicht alleine waren und der Gipfel nicht sehr viel platzt bot, machten wir nach den obligatorischen Bilder den Abflug. Schätzungsweise haben an dem Tag 20 − 30 Bergsteiger den Gipfel erreicht. Eine Gruppe sahen wir noch in der halben Dunkelheit umkehren. Gute zwei Stunden später erreichten wir auch schon wieder unsere Zelte.


Zuück am Hochlager
Das Überdach unseres Zeltes hatte sich selbstständig gemacht und war dank Yesenia nicht komplett weggeflogen. Hector und Darwin waren etwas vor uns an den Zelten gewesen und hatten somit angefangen ein zweites Frühstück herzurichten. So genossen wir die Köstlichkeiten bei praller Sonne und erhielten ab und zu neidische Blicke von den vorbei kommenden Bergsteigern.
Bis zur Hütte lag noch mindestens eine Stunde vor ihnen. Wir machten uns nach dem Mahl auf, die Zelte auszuräumen, unser Hab und Gut zu verstauen und selbige abzubauen. Voll bepackt klinkten wir uns wieder in das Seil ein und traten den weiteren Gletscherabstieg an. Am Ende des Gletschers, nahe der Hütte, wurden wir von unserem Träger aus La Paz empfangen. Er bekam unser “überschüssiges” Material und wir packten die Rucksäcke um. Er teilte uns dann auch mit, dass am Alpamayo pequeño eine europäische Bergführerin mit ihrem Kunden tödlich verunglückt sei. Dort waren wir selber vor vier Tagen gewesen! Währenddessen erreichten die jungen Peruaner die Hütte mit den Zelten.
Abstieg zum Ausgangspunkt
Gemeinsam machten wir uns auf den Abstieg in Richtung Zongo Pass. An der Kontrollstelle mussten wir uns wieder aus der Liste austragen und durften dann weiter absteigen. Den restlichen Weg lief ich mit Barbara alleine, vor uns die jungen Peruaner und hinter uns Peter und Augusto. Am Pass wartete bereits unser Taxifahrer auf uns. Nach dem Peter und Augusto eintrafen, wurde das Auto beladen und wir konnten Platz nehmen zur Rückfahrt.
Je näher wir auf La Paz zu kamen umso dichter wurden die Straßen. Das lag wohl an der Entrada, die an diesem Tag stattfand. Was das genau war, wissen wir nicht, es glich ein wenig dem deutschen Karneval, nur die Kamellen fehlten.
Umzug in La Paz
Als wir endlich am Hotel ankamen machten wir uns frisch und gingen los zum Café. Der Zug zog sich die komplette Hauptstraße entlang bis in die Südstadt. Trotz mehrmaligen Versuchen hatten wir keine Chance auf die andere Seite zum Café Banaisa zu gelangen. So liefen wir eineinhalb Stunden durch die halbe Stadt, um uns dann gegen frühen Abend ein Taxi in Richtung Tranquera (Restaurant) zu nehmen. Dort wollten wir unseren Triumph begießen und lecker Essen. Zu allem Überfluss war das Restaurant noch verschlossen. Eine Stunde später kamen wir nach einem erneuten Spaziergang wieder zum Restaurant, was leider immer noch die Türen verschlossen hatte.
Allmählich richteten wir uns darauf ein, woanders einkehren zu müssen. Wir gaben dem Restaurant noch mal 10 min. Als diese verstrichen waren, war zwar Licht innerhalb der Räume und eine größere Gruppe saß an einem Tisch, aber die Türen waren weiterhin verschlossen. Daraufhin versuchten wir ein Taxi anzuhalten, um in die Pizzeria zu fahren, bei der wir schon öfter eingekehrt waren. Zum Glück gelang es uns nicht auf Anhieb ein geeignetes Taxi zu finden, denn kurzerhand später entriegelte ein Kellner die Türen und öffnete sie. Über froh traten wir ein und setzten uns an einen freien Tisch. Ein amüsanter Abend stand uns bevor.
Ein wenig später statte Augusto mit seiner Frau dem Restaurant zufällig auch einen Besuch ab. Das Lokal bot aber auch wirklich gute Gerichte an, so dass man mindestens einmal dort gewesen sein muss! Um 22:00 Uhr waren wir im Bett und schlummerten einer Nacht ohne Kälte entgegen.
Teil 5: “Illimani (6.465m)”