Illimani zum Abschluss

Ruhetag in La Paz (So 01.08.2010)

Der Sonntag begann mit herrlichstem Sonnenschein und einem kleinen Spaziergang Richtung Franziskuskirche. Unser Hotel bat sonntags kein Frühstück an und so waren wir gezwungen uns ein geeignetes Plätzchen zu suchen. Die Auswahl dauerte nicht lange und viel auf unser geliebtes Café Banaisa. Mit ein wenig Glück fanden wir einen Sitzplatz im hinteren Teil. Das Angebot eines Buffets nahmen wir alle gerne an. Das erklärte auch, warum es um diese Uhrzeit so voll in dem Café war. Die Auswahl entsprach bei weitem nicht einem deutschen Buffet, was dem Frühstück aber keinen Abbruch tat. Denn mehr als Essen kann man eh nicht. ;) Bei einem riesigen Angebot hat man selten die Gelegenheit auch alles probieren zu können!

Nach dem ausgiebigen Mahl liefen wir die Straßen der Artesani Geschäfte ein weiteres Mal ab. Der Vormittag endete mit einem Pflasterkauf. Denn auf der letzten Tour hatten wir unser Tapeband komplett auf verbraucht. Zum Glück fanden wir etwas vergleichbares, was dem Vorgänger in keiner Weise nachteilig war.

Im Hotel packten wir unsere Rucksäcke, so gut es ohne die saubere Wäsche ging und legten uns zum Lesen in die Schlafsäcke. Augusto hatte uns morgens mitgeteilt, dass wir diesmal nur die Rucksäcke als Gepäck mitnehmen würden. Die Reisetaschen mussten aus Platzgründen im Hotel bleiben. Schweres Gepäck, wie Steigeisen, Kletterausrüstung, Schlafmatten und Schlafsäcke durften wir an unsere Träger abgeben.

Der Nachmittag gestaltete sich ruhig. Mit ein bisschen Lesen, packen und viel schlafen verbrachten wir die Zeit bis zum Abendessen. Gegen 18:00 Uhr machten wir uns auf den Weg und musste an unserer Lieblingspizzeria feststellen, dass diese geschlossen hatte. :( Gott sei dank, hatte der Inhaber eine Parallelstraße weiter noch einen Laden, den wir dann aufsuchten. Barbara bestellte dann zu meinem Erstaunen eine Pizza “medio”. Medio hat wohlbemerkt einen Durchmesser von schätzungsweise 35 cm, wenn nicht noch etwas mehr. Peter und ich bestellten wie immer eine “pequeño” und wollten anschließend je nach Appetit einen Hamburger essen. Dazu kam es dann nicht, weil es abends nur Pasta oder Pizza gab. Also bestellten wir noch eine “pequeño”, welche wir uns teilen wollten. Der Laden war so voll, dass es fast eine Stunde dauerte, bis unsere Pizza kam. Indes war Barbara mit ihrer “medio” fertig geworden. Respekt!! :)

Mich hatte den ganzen Tag Halskratzen und ein wenig Husten in meiner Laune eingeschränkt. Mit ein wenig Sorge, dass es schlimmer werden würde, ging ich nach dem Tasche packen ins Bett. Morgen sollte es wieder ins Gebirge losgehen, diesmal zu unserer letzten Tour auf den Illimani (6.462 m).

Illimani Tour (Mo 02.08 bis Mi 04.08.2010)

Ähnlich schlecht / gut wie am Sonntag wachte ich auf. Der Husten hatte sich nicht gebessert. Deshalb beschloss ich nach Rücksprache mit Peter nach dem Frühstück ein Antibiotikum zu nehmen. Normalerweise käme mir das in Deutschland nie in den Sinn, bei einer kleinen Erkältung direkt ein Antibiotikum zu nehmen. Angesichts der Umstände, ich wollte auf den Berg, wollte ich kein Risiko eingehen.

Montags gab es kein “Pan” (große Brötchen), somit mussten wir uns mit Toast und anderen kleinen Brötchen zufrieden geben. Abfahrt war um 08:30 Uhr. Vor uns lag eine vierstündige Autofahrt nach Pinaya, der Ausgangspunkt / -ort für unsere dreitägige Tour. Da unser Taxibus kein Allradantrieb hatte und bei fast jeder kleinsten Unebenheit aufsetzte dauerte es viereinhalb Stunden. Zwischendurch “durften” wir sogar aussteigen und zu Fuß gehen, weil das Taxi mit dem ganzen Gepäck und den Insassen zu schwer war. Auf den Weg dorthin mussten wir vier Pässe passieren um am Fuße des höchsten Berges der Cordillera Real zu stehen.

Bus war zu schwerAnkunft Pinaya

Unterwegs kaufte unsere Crew in einem kleinen Dorf mit viel Glück für das Mittagessen ein. Das Dorf hatte ein Fest und alle Leute waren “ausgeflogen”. In Pinaya luden wir ab und bekamen unser Lunch. Währenddessen kümmerten sich die Peruaner um einen Eseltransport. Augusto war die Fahrt schon dorthin so komisch gewesen und “glänzte” mit viel Abwesenheit. Naja, vielleicht hatte er Verdauungsprobleme! Keine Ahnung.

Nach dem Mittagessen marschierten wir los. Recht schnell kamen wir ins schwitzen, das war bisher noch nie der Fall gewesen. Ich dachte mein schneller Atem und der höhere Puls lägen an meinem Gesundheitszustand. Bei einer kurzen Trinkpause bestätigten mir Peter und Barbara, dass es ihnen ähnlich ging. Sie waren auch der Meinung, dass Augusto ein schärferes Tempo vorgelegt hatte. Glück gehabt! Laut Führer benötigt man für die 600 Höhenmeter von Pinaya nach Puente Rote (Basislager, 4500 m) drei bis vier Stunden. Durch das forsche Tempo von Augusto benötigten wir mal gerade zwei dreiviertel Stunde. Das war das erste Mal gewesen, das unsere Träger nicht vor uns am Ziel waren.

Aufstieg zum Basislager

Aufstieg zum Basislager

Doch bald nach uns, kamen Hector, Darwin, Yesenia mit ihrem Gepäck auch an. Wieder einmal hatten wir Glück mit wenigen, diesmal mit zwei Schweizern, das Camp teilen zu dürfen. Wir hatten die freie Platzwahl. Nach dem wir gefragt wurden, wo wir denn gerne unser Zelt hätte, sagte ich zu Augusto “Far far away”. Er nahm meine Ansage ernst und ich hatte ein Problem und das hieß Barbara! ;) Für alle Wege, die sie “extra” machen musste, macht sie mich verantwortlich. Dabei hatte ich meine Aussage getroffen, ohne damit zu rechnen, dass Augusto es ernst nehmen würde. Tja, Pech gehabt. Mir war es im Prinzip egal. :)

Far awayBasislager am Illimani

Es war schon fast zu einem Ritual geworden, das wir nach dem Zeltaufbau unsere Taschen und Rucksäcke ins Zelt einräumten und anschließend darin verschwanden. Die Sonne blieb uns lange erhalten und ließ den Illimani, in seiner ganzen Pracht strahlen. Als wir zum Abendessen um 19:00 Uhr aus dem Zelt stiegen, strahlte uns das beleuchtete La Paz entgegen. Was für ein Anblick! Es war das letzte Abendessen, was wir im Esszelt serviert bekamen. Gemüsesuppe, Hühnchen mit Reis, Gurken und Möhren und als Nachtisch Ananas. Unsere Keksration ging auch langsam dem Ende zu, so dass wir uns nach dem Essen nur noch sparsam daran bedienten. Für den nächsten Morgen (Dienstag) war “ausschlafen” angesagt. Davon machten wir sehr gerne Gebrauch, da in der Folgenacht ein früher Aufbruch feststand.

Basislager bei NachtBasislager bei Sonnenaufgang

Aufstieg zum Hochlager

Um 07:20 Uhr weckte uns Hector mit Tee und Warmwasserschüsseln, was auch sonst!? ;) Zu unserer Überraschung hatte es nachts gefroren und die Wiese, sowie die Zelte waren mit Raureif überzogen. Zum Omelette aus Zwiebeln und Tomaten gab es Brötchen, Marmelade, Honig und Tee bzw. Kaffee. Augusto teilte uns freudigerweise mit, das es ihm wieder besser ginge. Seiner Vermutung nach, hatte er in der Tranquera (Restaurant) als wir uns getroffen hatten, den Magen verdorben. Also hatten wir mit der Vermutung von Verdauungsstörung Recht gehabt.

Als wir das Essenszelt verließen breitete sich gerade die Sonne auf den Zelten aus und das Eis fing an zu tauen. Im Eilverfahren, wir versuchten es jedenfalls, räumten wir die Zelte leer und packten unseren Rucksack für das Hochlager bzw. den Gipfelsturm. Die Zelte wurden von Einheimischen abgebaut, die später auch unsere Schlafsäcke, Kletterausrüstung und Steigeisen ins Hochlager Nido de Cóndores (5.500 m) brachten. Um 10:30 Uhr verließen wir dann im Nebel das Basislager und machten uns auf den Weg. Mein Husten war etwas besser, aber als wir auf touren kamen machte er sich deutlich bemerkbar. Ich ignorierte ihn und hoffte, dass der Nebel bald verschwand und wir eine bessere Aussicht erhalten würden.

Aufstieg zum HochlagerZweiter Teilabschnitt zum Hochlager

Vor uns lag ein 1.000 Höhenmeter Aufstieg, der seine fünf Stunden in Anspruch nehmen würde. Bis zur Mittagspause verlief der Weg recht eindeutig und nicht allzu steil. Danach ging es durch einen losen Schieferbruch, der mehr Kraft und Konzentration erforderte. Am Nachmittag kamen wir im Höhenlager an. Außer zwei Zelten von den Schweizern und dessen Bergführer gab es noch genügend Platz auf der kleinen Bergplattform, um unsere Zelte aufzustellen. Durch die externen Träger aus Pinaya waren unsere Zelte auch schon vor Ort. Diese kamen uns im letzten Drittel unseres Anstieges bereits entgegen. Gemeinsam bauten wir die Zelte auf und waren fertig bevor Hector, Darwin und Yesenia ankamen.

Gemeinsamer Zeltaufbau im Hochlager

Gemeinsamer Zeltaufbau im Hochlager

Nach Herrichtung unserer Klamotten und einer kurzen Erholungsphase im Schlafsack bekamen wir schon unser Dinner von Hector gebracht. Ungewöhnliche Zeit, aber angesichts des frühen Aufbruch in der Nacht notwendig, um überhaupt noch etwas Schlaf zu haben. Es gab eine Fleischbulette mit Kartoffelbrei und als zweiten Gang eine große Nudelsuppe. Gut gesättigt und mit deutlich weniger Magenproblemen als beim Huayna, suchten wir das nächste Gestein für die überschüssige Körperflüssigkeit auf. Einmal mehr war der Wind derjenige, der diesen Gang erschwerte. :( Mit Ohropax in den Ohren hofften wir auf eine gute Nacht!

Der Husten ließ mich kaum schlafen und als ich einnickte kam kurze Zeit später der Weckruf von Hector. Mich wunderte es, weil es später war als am Vortag verabredet. Naja, ich machte mir weiter keine Gedanken darum, da es sicherlich Gründe dafür gab, die wir nicht weiter einschätzen konnten. Als Barbara und ich mitbekamen, dass Peter und die Peruaner schon vor den Zelten waren und sich anseilten, erklärten wir unser Frühstück für beendet. Diesmal gab es keine Amerikaner, bei denen es mir schlecht werden konnte. In Windeseile zogen wir die Überhosen, einen weiteren Fleecepullover und die warme Jacke an, räumten die restlichen Kleidungsstücke in den Rucksack und standen im nächsten Moment vor dem Zelt. Probleme beim Anziehen meiner Steigeisen verzögerten unseren Abmarsch.

Erster Versuch zum Gipfelsturm

Endlich, nach dem alles saß, ging es um 02:45 Uhr los. Die Schweizer waren bereits mehr als eine halbe Stunde vor uns weg. Vom Vortag hatte ich das erste Teilstück des Weges noch in Erinnerung. Generell sollte der Aufstieg über Gletscher und zwei kurze technische Passagen von 50° oberhalb des “Kondornestes” gehen. Da wir uns auf der Westseite befanden, war frühestens am späten Morgen mit der Sonne zu rechnen. Im Dunkeln bewegten wir uns Schritt für Schritt den Gletscher hoch und mit jedem Schritt freute ich mich mehr auf den Gipfel zu kommen. Wir gingen wieder als vierer bzw. als zweier Gruppe. Das gemächliche Tempo von Augusto war angenehm. Kurz vor dem Überqueren eines kurzen Eisstück sah ich, dass Augusto bereits in einem steileren Gletscherstück war. Vorsichtig überquerte ich das Eisstück und stieg auch in den Hang ein. Ich sah noch wie Barbara das Stück überquerte und mir nachging. Auf einmal wusste ich nicht mehr wie mir geschah, aber ich befand mich bergabwärts im Gletscherhang. Ich dachte noch an alle theoretischen Bremsversuche und versuchte diese anzuwenden. Dazu kam ich nicht mehr den mittlerweile hatte ich mich kopfüber gedreht. Ich nahm nur noch Barbara halb nehmen mir wahr. Danach schloss ich die Augen und sah den Engelein entgegen.

Mit einem festen und harten Aufprall wachte ich förmlich aus meinem “Traum” auf. Blut spuckend kam ich zu mir. Ich konnte mich kaum bewegen, da mein linkes Bein unter Schnee begraben war. Da hörte ich auch schon die Stimme von Peter, der nach mir und Barbara rief. Er grub mich frei und stellte bei Barbara eine große Unversehrtheit fest. Unter starken Schmerzen war ich in der Lage aufzustehen. Meine Lippe blutete sehr stark und mein linker Arm tat höllisch weh. Unterdessen brüllte Peter nach Augusto, der nicht in unserer Nähe war. Er meldete sich glücklicherweise recht bald. Aus dem Rucksack kramte Peter ein Tuch für meine aufgeschlagene Lippe hervor.

Eisstelle bei TageslichtAufnahme am Folgetag

Hector und Darwin, die unseren Absturz mit ansehen mussten, waren kurze Zeit später zur Stelle und leisteten Erste Hilfe. Ich bekam das ganze Blut aus dem Gesicht gewischt und hielt das Tuch weiterhin vor den Mund um weiteren Verlust zu vermeiden. Als es vor lauter Schmerzen im Rücken kaum noch ging, legte ich meinen Rucksack nieder. Ich war nicht mehr in der Lage ihn zu halten oder gar zurück zum Zelt zu tragen. Kurz danach ertastete ich mit meiner Zunge, dass mir ein Stück Zahn fehlte. :( Zu dem Zeitpunkt war uns noch nicht bewusst, welche Verletzungen Augusto davon getragen hatte. Wir nahmen nur viel Blut im Schnee war. Mein Eispickel hatte wohl auch einen heftigen Schlag ab bekommen, denn die Spitze war total verbogen. Mit etwas Gewalt bog Peter die Spitze wieder gerade und er war für den Abstieg einsatzbereit.

Die beiden jungen Bergführer brachten unter fachmännischer Anleitung von Augusto ein Seil im Gletscher an, das uns auf den Normalweg zurück bringen sollte. Unsere Abfahrt wurde, Gott sei dank, von einem Felsvorsprung gestoppt, der einige Meter neben der Normalroute lag. Zum Zelt brauchten wir fast eine Stunde. Dort angekommen, half Barbara mir aus dem Kletterzeug und den Schuhen mit den Steigeisen. Da mir furchtbar kalt war, half sie mir auch noch wärmere Klamotten anzuziehen. Sie brachte mich wie ein “kleines Kind” in den Schlafsack. Auf der rechten Seite konnte ich dann auch etwas schlafen. Als es hell wurde begannen die weiteren Überlegungen, wie es weiter gehen sollte.

Abstieg und zweite Chance

Augusto wollte auf alle Fälle zurück nach La Paz. Yesenia hatte ihn zwar gut verarztet, aber sein Nasenflügel konnte von rechts nach links geklappt werden. Keine gute Grundlage. Für mich gab es auch keinen Zweifel zurück zu gehen, denn die Schmerzen waren fast unerträglich. Im Angesicht meiner weiteren Planungen für dieses Jahr, konnte ich kein Risiko eingehen.

Augusto wollte seine beiden Jungs auf jeden Fall die Möglichkeit bieten den Illimani am nächsten Tag zu besteigen. Somit gab es für Barbara auch die Chance auf einen Gipfel. Sie überlegte kurz und entschloss sich eine weitere Nacht im Höhenlager zu verbringen und mit den Jungs zu gehen. Eine schwerwiegendere Entscheidung musste Peter treffen. Entweder Berg oder Tal mit verletzter Tochter. Es mag den Anschein haben, dass es da nicht viel zu entscheiden gibt, aber das täuscht! Wenn man sich die Hintergründe genauer anschaut, kann man die Entscheidung von Peter verstehen und vor allem besser Nachvollziehen. Auf Drängen von Augusto und mir lautete seine Antwort Berg.

Er war zwar Verursacher dieses Absturzes gewesen und sah sich auch als komplett schuldfähig, jedoch ist es wie bei einem Reitersturz. Steigt der Reiter nicht sofort wieder auf sein Pferd, wird er es wohl nie mehr tun. Da die Alpen nicht direkt vor unserer Haustüre liegen, hätte er im Zweifelsfalle bis nächstes Jahr Zeit gehabt um sich Gedanken über diesen Vorfall zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich gar nicht mehr auf Gletschertouren trauen würde, wäre zu hoch. Für einen leidenschaftlichen Bergsteiger im Prinzip unvorstellbar.

Ein weiterer Aspekt war die Verantwortlichkeit. Wäre Barbara alleine mit den Peruanern oben geblieben, hätte es laut Augusto keinen verantwortungsvollen und erfahrenen Bergsteiger in der Gruppe gegeben. Da war ihm sehr dran gelegen. Ich traute mir zu auch alleine mit Augusto und Yesenia zurück zu gehen. Ein Verständigungsproblem konnte es kaum geben, da Augusto ein gutes Englisch sprach. Damit war die Entscheidung gefällt. Ich vermachte Barbara meine gute Stirnlampe, sowie ein paar Handschuhe und unser Notproviant, die Kekse. Bevor es los ging nahm ich noch eine Schmerztablette, um mir den Abstieg zu erleichtern. Traurig nicht mitgehen zu können, verabschiedete ich mich von Peter, Barbara, Hector und Darwin. In ihren Gesichtern las ich ein Zeichen des Bedauerns und des Mitgefühls ab. Dagegen konnte ich nichts machen, ich musste mich meiner Gesundheit widmen nur das zählte. Ein Abstieg war daher unabkömmlich.

Es folgen zwei Versionen (Barbara’s und Katharina’s) des restlichen Tages

Katharinas Version
Der Weg durch das Schiefergestein ging nur sehr langsam voran, da ich bei jedem Schritt aufpassen musste, meinen Rücken nicht zu stark zu belasten. Der Rucksack wurde mir dankenswerterweise von einem Einheimischen abgenommen. Als wir das Basislager erreichten hatten wir bereits Mittag. Dort tranken wir von dem vorhandenen Wasser und ruhten uns ein wenig aus, bevor es weiter nach Pinaya ging. Augusto hatte sehr starke Schmerzen in seinen Füssen und setzte sich immer wieder mal hin. Wie wir später erfuhren, hatte er versucht seine Steigeisen in den Schnee zu treten um uns halten zu können. Dabei hatte er sich vermutlich seine Füße verdreht, die den Schmerz auslösten. Der weitere Abstieg ging durch Wiesenlandschaft und dauerte weitere eineinhalb Stunden.

In Pinaya mussten wir 30 Minuten warten bis das Taxi kam. Wir räumten unsere Sachen ein und die Fahrt nach La Paz konnte starten. Ich rechnete mir aus, dass wir drei Stunden benötigen würden, da es sich diesmal um ein 4×4 Geländefahrzeug handelte. Damit sollte ich Recht behalten, als wir um 19:00 Uhr am Hotel ankamen. Yesenia ging mit mir ins Hotel und besorgte mir ein Einzelzimmer. Danach kehrte sie zum Taxi zurück und fuhr mit Augusto zum nächstgelegenen Krankenhaus. An der Rezeption erfuhr ich, dass “Mujer (Frau) Stinner” nicht im Zimmer war. Aber ich bekam die Zimmernummer mitgeteilt, die direkt neben meinem lag. Ich beschloss eine Notiz in ihrem Fach zu hinterlassen. Nach dem ich diesen an der Rezeption abgegeben hatte ging ich wieder in mein Zimmer. Durchgeschwitzt und völlig fertig ging ich erstmal auf die Toilette. Kurze Zeit später vernahm ich Stimmen im Flur und erkannte diese als die von meiner Mutter wieder. Ich hatte ihr mitgeteilt, dass sie sich doch bei Rückkehr in meinem Zimmer melden sollte. Als ich die Tür auf machte brach ich vor Erleichterung in Tränen aus und teilte ihr mit was passiert war. Nach und nach verstand sie auch, warum ich alleine gekommen war und es so besser war. Außerdem sollten Barbara und Peter ja am nächsten Tag auch wieder kommen.

Da ich seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatte, beschlossen wir zu einem Café an der “Plaza de Estudiantes” zu fahren. Nach einer warmen Dusche und mit frischen Klamotten saßen wir eine Stunde später in dem Café. Es vergingen Stunden, bis ich etwas zu Essen bekam, so kam es mir jedenfalls vor. Dabei hatte ich lediglich Nudeln mit Fleisch bestellt. Das Essen an sich fiel mir recht schwer, zum einen war mir die Lippe im Weg und zum anderen hatte ich einen Kälteempfindlichen abgebrochenen Zahn. So dauerte es auch eine halbe Stunde bis ich fertig war. Im Hotel zurück nahm Yossy das Bett neben mir ein. Georg, der mit nach La Paz geflogen war blieb mit Johannes und Saskia in dem anderen Zimmer. Yossy hatte sich auch bereit erklärt am nächsten Tag auf die Chacaltaya Tour zu verzichten und stattdessen mit mir eine Ärztetour zu machen. Ein Verlust war es für sie nicht, da sie diesen 5.000er bereits vor drei Jahren erklommen hatte. Außerdem wollte sie mich mit meinen unzureichenden Spanischkenntnissen nicht alleine lassen. Mein Husten schmerzte bei jedem Anfall und hielt mich eine zeitlang vom Schlafen ab. Als ich aber mal eingeschlafen war, dachte ich nur noch an Barbara und hoffte sie könne auch gut schlafen.

Barbaras Version
Nach dem Augusto, Yesenia und Katharina weg waren bereitete Hector uns etwas zu Essen vor. Die Vorräte ließen nach und so gab es Cracker mit Tunfisch und etwas Obst. Die Mandarinen waren aufgrund der Höhe (5.400m) angefroren. Der Wind wehte ganz ordentlich und so zog es mich und Peter auch ziemlich bald wieder ins Zelt und die Schlafsäcke. Bis zum Nachmittag verbrachten wir die Zeit eher schlafend bzw. dösend. Dann musste noch die Ausrüstung und die Klamotten sortiert werden für den nächsten Tag. Katharina hatte mir dankenswerterweise ihre Stirnlampe und Sitzgurt da gelassen sowie die restlichen Kekse. :)

Vertilgen von leckeren Keksen

Vertilgen von leckeren Keksen

Der Tag verging doch viel schneller als ich gedacht hatte. Und schwupp di wupp war es auch schon Abend. Diesmal servierte uns Hector eine Kartoffelsuppe und als Hauptspeise Reis mit warmen Thunfisch. Danach pellte ich mich noch mal aus meinem Schlafsack raus für gewisse Geschäfte. Ich hätte mir vielleicht doch vor der Abreise “Johnny Wee” kaufen sollen oder was entsprechendes. In dieser Hinsicht beneide ich schon die männliche Anatomie. ;) Schnell wie ich bin war ich auch wieder zurück im Schlafsack und schlief auch relativ schnell ein.

Zweiter Versuch zum Illimani (Do 05.08. bis Fr 06.08.2010) (B)

Hector und Darwin, unsere angehenden Bergführer, sowie Peter und ich waren mit drei weiteren Bergsteigern die einzigen an diesem Morgen, die noch im Hochlager waren und einen (erneuten) Versuch, den Illimani zu erklimmen, unternehmen wollten. Der Weckruf kam diesmal etwas zeitiger (1.15 Uhr) im Vergleich zur vorherigen Nacht. Nach einem kleinen Frühstück, trockene Brötchen mit etwas Butter, Marmelade war aus, machten wir uns Startklar zum Abmarsch.

Es war sternenklar und erstaunlicherweise nicht zu sehr kalt. Im Schatten unserer Stirnlampen machten wir uns um ca. 2.15 Uhr auf den Weg zum Gipfel. Hector vorweg, danach ich, mein Vater und schließlich Darwin. Kaum eine halbe Stunde war vergangen als wir die “Unglücksstelle” vom Vortag erreichten – das Eisstück. Diesmal machten wir einen Bogen drum herum und gelangten problemlos dran vorbei. Das Marschtempo war zwar langsam, aber für mich auch angemessen. Bis zum Tagesanbruch machten wir zwischendurch kleinere Stopps zum Trinken und Verschnaufen. Meine Kopfschmerzen die während des Wanderns auftraten konnte ich nicht richtig einordnen, ob sie nun von der Höhe kamen oder von dem Sturz. Vorsorglich nahm ich eine Ibu und konnte so den Rest des Aufstiegs mühelos bewältigen. Das heißt aber nicht, dass alles von alleine lief und einfacher war. Manche Passagen waren sehr steil und schon anstrengend.

Steiles Aufstiegsstück am IllimaniEtwa 200 Hm unterm Gipfel

Gipfel geschafft

Die 1.000 Höhenmeter, vom Hochlager bis zum Gipfel, zogen sich ganz schön. Immer wenn ich dachte wir müssten es gleich geschafft haben, sah ich, dass es doch noch weiter ging. Da ich keinen Höhenmesser besitze, konnte ich auch nicht kontrollieren wie viel wir schon geschafft hatten. Die dreier Seilschaft, Brasilianer, waren schon in der Steilwand an uns vorbeigezogen und kamen uns hundert Meter vor dem Gipfel schon wieder entgegen. Um ca. halb elf standen wir Vier auf dem Gipfel des Illimanis. Eine phänomenale Aussicht. Kaum Wolken, Sonne pur und in der Ferne ein weiterer Garant, der ein nächstes Ziel von mir sein könnte, der Sajama (6.542m). :)

Ich freute mich riesig als ich oben stand, jedoch bedauerte ich, dass Katharina nicht neben mir stehen konnte. Aber ihre Chance wird kommen. Zu dem freute ich mich, dass Peter es im dritten Anlauf auch geschafft hatte. Es geht doch nichts über den Huse. ;) Die Bergführer hatten bis dahin gute Arbeit geleistet.

Die letzten Meter bis zum GipfelIllimani Gipfel im zweiten Versuch

Mit guter Laune ging es nach den Gipfelfotos auch schon wieder abwärts, da die Zeit drängte. Wie uns bekannt ist vom Alpamayo pequeño dauert “rappeling” eben länger. Zwar waren wir nicht mehr zu sechst sondern “nur” zu viert unterwegs, aber im ungünstigsten Fall lagen noch 2.000 Höhenmeter vor uns. Der Plan war es an diesem Tag noch ins Basislager zu kommen. Nach einer knappen Stunde standen wir auch schon vor dem Stück wo wir uns abseilen wollten. Ziemlich schnell stellte sich doch heraus, dass es irgendwie nicht der richtige Weg war. Bis wir endlich wieder auf dem richtigen Weg waren dauerte es zwei Stunden, in der wir in einer 50° Wand hingen. Peter kostete es viel Kraft, da er die Beine nicht “bequem” hinstellen konnte. Da ich noch die Möglichkeit hatte mich hinzu hocken ging es noch einigermaßen. Aber nach dem wir wieder auf dem Normalweg waren und der erste Gegenanstieg kam merkte ich schon, dass meine Beine nicht mehr so wollten wie ich es gerne gehabt hätte. Außerdem hatte ich viel Durst! Als wir endlich wieder flacher stehen konnten holte ich dies auch nach. Die Zeit drängte mehr und mehr. Aber wir schafften es noch vor Dunkelheit zurück am Hochlager zu sein. Die markante Eisstelle konnten wir nun auch bei Tageslicht sehen und Peter machte noch ein paar Aufnahmen als Erinnerung.

Mein ewiger Begleiter in die BergeBeim Abstieg

Um halb sechs sind wir wohl behalten im Hochlager angekommen. Unser Träger wartete auch schon. Jedoch mussten wir ihm mitteilen, dass wir an diesem Tag nicht mehr absteigen wollten. Peter war fix und fertig und ich war auch froh nicht noch weitere 1.000 absteigen zu müssen. Mir tat der Mann leid, weil er umsonst gekommen war und nun am nächsten Tag erneut kommen musste. Wir bestellten ihn für 8 Uhr.

Illimani bei Sonnenuntergang

Illimani bei Sonnenuntergang

Im Hochlager war zwischenzeitlich noch eine weitere Gruppe Bergsteiger eingetroffen. Ein Schweizer, Franzose und ?. Einer ihrer Bergführer war leicht erkrankt. Zumindest tummelte er sich im Zelt herum. Wir genossen ein letztes Mal den Sonnenuntergang in den Bergen. Zumindest für dieses Jahr. Ein letztes Mal Dinner im Zelt, wobei das nur sehr spärlich ausfiel, da die Mahlzeit ja eigentlich im Basislager geplant war. So gab es eine Nudelsuppe, die es auch schon am ersten Abend gab, mit den letzten Brötchen. Als Absacker Tee mit Zucker. ;)

Abstieg zum Basislager

In dieser Nacht schlief ich mit am Besten, trotz der Höhe. Ich bin eben akklimatisiert gewesen. Als ich aufwachte ging gerade die Sonne auf. Gegen viertel nach sieben brachte uns Hector einen Tee zum Frühstück. Danach begannen wir unsere Sachen zu packen und waren gegen halb neun fertig zum Abstieg. Ein letzter Blick zum Berg, der viel von uns verlangte und leider auch Trauer und Leid zufügte, und schon waren wir auf unserem Weg zum Basislager. Die ersten 500 Meter gingen nur recht langsam, da es rutschig und teilweise kletternd bewältigt werden musste. Peter hatte an diesem Tag so seine Probleme, abgesehen davon, dass er seit zwei Tagen nichts Ordentliches mehr gegessen hatte, wie ich auch. Das einem die Kräfte und die Konzentration schwer fallen, ist wohl nachzuvollziehen. Daher auch nur sinnvoll einen Gang zurück zuschalten.

Illimani Massiv (Flugzeugaufnahme)

Illimani Massiv (Flugzeugaufnahme)

Im Basislager sind wir kurz vor elf angekommen. Ursprünglich wollten wir hier noch eine Kleinigkeit zu uns nehmen, was wir aber nicht geschafft haben. Wir pausierten nur etwas und ich packte noch einige Sachen in meine rote Tasche, die auf den Esel kam und half Peter ebenfalls beim Sortieren. Zum Glück nahm er den Ratschlag, seinen Rucksack auch vom Esel tragen zu lassen, an. Kurze Zeit später befanden wir uns auch schon wieder auf dem letzten Teilabschnitt unseres Tages. Dafür benötigten wir auch noch mal knappe zwei Stunden, wo wir doch im Aufstieg fast genauso lange gebraucht hatten. Gegen ein Uhr erreichten wir unseren Ausgangspunkt. Nach einer kleineren Wartezeit kam auch schon der Bus angefahren. Mittlerweile verspürte ich auch keinen Hunger mehr. Wir stiegen ein und nahmen noch die Brasilianer, die ebenfalls am Vortag auf dem Illimani waren, mit nach La Paz zurück.

Nach guten drei Stunden Fahrt, der Fahrer fuhr in den Augen von Peter etwas forsch, doch ich freute mich nur, da ich so schneller aus dem Bus raus war und zur Katharina konnte. Ich hoffte ja nur, dass es ihr nicht so schlecht ging. Um ziemlich genau 17 Uhr erreichten wir unser Hostal de Tambo Oro wieder.

Die Tage nach dem Unfall (Do 05.08 bis Fr 06.08.2010) (K)

Für heute war Ärztetag angesagt. Yossy hatte bereits mit Georg, Johannes und Saskia gefrühstückt, als ich um 08:30 Uhr aufstand. Die drei waren auch schon auf dem Weg zum Chacaltaya. Das Essen ging wie am Vorabend sehr langsam von statten. Um 10:00 Uhr nahmen wir ein Taxi zur Deutschen Botschaft, um uns dort eine Adresse eines guten Arztes geben zu lassen. Die Botschaft kümmerte sich Bestens um uns. Sie nannte uns den Namen des Vertrauensarztes der dt. Botschaft und meldeten uns auch gleich in dem Krankenhaus als Notfall an. Zu guter Letzt organisierten sie uns noch ein Taxi dorthin.

Als wir in dem Krankenhaus ankamen, wartete der Arzt bereits auf uns. Zu meinem Glück sprach er auch deutsch und ich konnte ihm den Unfallhergang und meine Schmerzen in Muttersprache mitteilen. Er ordnete eine Röntgenaufnahme und ein Ultraschallbild an. Mit einem Rollstuhl wurde ich zum Ultraschall gebracht. Erst kam ich mir etwas lächerlich vor, fand aber bald darin eine Erleichterung. Denn die Wege die wir zurück legten, hätte ich nicht gerne zu Fuß gemacht. Gehen war Anstrengung pur!

Beim Ultraschall konnte glücklicherweise nichts Ernsthaftes festgestellt werden. Danach ging es weiter zur Röntgenaufnahme. Da der Arzt erst nachmittags wieder kommen sollte wurde ich in ein Privatzimmer verfrachtet. Dort bekam ich erst einmal was zu essen. Suppe, Geschnetzeltes mit Quinoa. Als Nachtisch Götterspeise und ein Schälchen für mich Undefinierbares. Die Flüssignahrung ging gut zu essen eine größere Hürde war das Geschnetzelte. Aber es ging. :) Danach dauerte und dauerte es, bis sich der behandelnde Arzt blicken ließ. Zwischendurch kam immer mal wieder einer rein, der sich nach mir erkundigte, mich durchcheckte und dann wieder ging. Die lästigste aller Aktionen war die Blutabnahme. Durch meinen flächenfüllenden, blauen Flecken am linken Arm war es fast unmöglich dort etwas abzuzapfen. Der rechte Arm erwies sich aber auch nicht als sehr geeignet. So mussten zwei Krankenschwestern drei Nadeln ansetzen, bis sie ausreichend von meinem Blut bekamen. Eine lästige Angelegenheit.

Gegen 15:00 Uhr kam der Vertrauensarzt wieder, im Schlepptau zweier Krankenschwestern. Er erkundigte sich nach meinem Wohlergehen und meinte ich sollte zur Beobachtung die Nacht über bleiben. Ich hatte es fast schon vermutet und hatte aber auch keine Einwände. Er reinigte meine Lippe, was mir ebenfalls gut wehtat. Des Weiteren leitete er noch einen Besuch beim Zahnarzt in die Wege. Denn der Folgetag war der Feiertag und dann kam das Wochenende. Am Feiertag würde kein Arzt erreichbar sein hieß es. Yossy war kurzerhand raus gegangen um Georg zu informieren. Während ihrer Abwesenheit kam natürlich der Zahnarzt vorbei und schaute sich meinen Zahn an. Er teilte mir mit, dass er vor Behandlung eine Röntgenaufnahme machen müsste. Zum Glück verstand ich was er wollte und willigte ein. Kurz darauf kam die Krankenschwester und schob mich zur Röntgenaufnahme. Auf dem Weg dorthin kam uns Yossy entgegen, die sich uns anschloss. Die einzige Möglichkeit mein Kälteempfinden zu ändern, war die Entfernung des restlichen Nervs. Zu allem Überfluss verpasste mir der Zahnarzt noch eine Spritze zur Betäubung, als hätte ich nicht schon genug Schmerzen. Er entfernte den Nerv und begann das Loch provisorisch zu füllen und abzuschließen. So sollte es bis zu unserem Abflug kommende Woche halten.

Erleichtert, dass alles geklappt hatte wurde ich wieder ins Zimmer gebracht. Dort wartete bereits ein Abendessen auf mich. Doch bis ich in den Genuss kam dieses zu verzehren dauerte es noch eine Stunde. Der Zahnarzt hatte mir nämlich ein Essverbot erteilt. Yossy beschloss kurzerhand ihren Schlafsack und meine Schlafsachen selber zu holen. Sie fuhr mit dem Taxi zurück zum Hotel, erklärte Georg die Situation, packte die Klamotten und kehrte nach gut eineinhalb Stunden wieder zum Krankenhaus zurück. Sie informierte mich, dass Georg, Johannes und Saskia nun auf die fehlenden Bergwanderer warten wollten. Alle drei hatten den Gipfel des Chacaltaya geschafft. Aller Voraussicht wollten diese kurz vor Mitternacht zurückkehren. Wir bereiteten unsere Betten vor, ich bekam noch eine Schmerztablette von der Abendschwester und danach gingen wir schlafen.

Tag zwei im Krankenhaus

Ich wachte recht früh auf und mit erstaunlicherweise weniger Schmerzen als am Vortag. Yossy war gerade dabei in die Dusche zu verschwinden. Als sie heraus kam hatte mir die Morgenschwester bereits Puls und Blutdruck gemessen. Die saubere Dusche war eine Wonne, die ich kurzerhand später auch genoss. Das Frühstück für mich bestand aus ein paar Galletas (Cracker) und einer Kanne heißem Wasser. Na, toll! Unser Vertrauensarzt ließ auf sich warten und kam erst um 11:00 Uhr. In der Zwischenzeit bekam ich ein weiteres Frühstück, was sich aus einem Brötchen mit Rührei und Tomaten gestaltete. Mir war nach den Crackern der Appetit vergangen und ich überließ es großzügigerweise Yossy.

Der Arzt untersuchte mich und ich teilte ihm meinen Schmerzrückgang mit. Er beschloss mich zu entlassen. Hurra, was für eine Freude! Jetzt fehlten nur noch die Bergsteiger. Diese waren in der Nacht nicht mehr gekommen. Die drei hatten bis 02:00 Uhr gewartet und dann aufgegeben. Nach dem Yossy die Rechnung bezahlt hatte nahmen wir das nächste Taxi Richtung Zentrum. Das Krankenhaus befand sich in der Südstadt.

Im Hotel rief Yossy Augusto an, der uns mitteilen wollte, sobald er Neues von seinen Leuten in Erfahrung gebracht hatte. Wir sollten aber nicht vor 14:00 Uhr mit ihnen rechnen. Die Zeit verstrich, es wurde 15:30 Uhr. Ich hatte im Hinterkopf das sie vermutlich den Abstieg am vorherigen Tag nicht mehr geschafft hatten und somit fast 1.500 Höhenmeter absteigen mussten. Im Basislager stand der Abbau des Küchenzeltes, etc. noch an und dann war da noch eine Fahrt von vier bis fünf Autostunden über die Pässe. Vor 17:00 – 18:00 Uhr rechnete ich eh nicht mit ihnen. Auf einmal flog meine Zimmertür auf und Yossy stand dort sehr aufgelöst. Sie teilte mir mit, dass sie Augusto angerufen habe und ihm die Hölle heiß gemacht habe. Er hatte auch Neuigkeiten für uns und zwar sollten die vier (Hector, Darwin, Peter und Barbara) zwischen 19:00 und 20:00 Uhr kommen. Sie war empört darüber, dass er sich nicht wie vereinbart gemeldet hatte. Gegen 17:00 Uhr hörte ich Stimmen auf dem Flur und erkannte die von Peter und dann von Yossy, die sich dort zufällig aufhielt. Damit waren wir wieder komplett! :)

Rückkehr der Bergsteiger

Schon ging die Tür auf und Barbara schleppte ihre Tasche und Rucksack herein. Freudig erzählte sie, dass sie oben waren. Vor Enttäuschung kamen mir die Tränen. Natürlich freute ich mich für sie, dass sie ihren Urlaub so grandios abschließen konnte. Nur ich wäre auch gerne dabei gewesen! Nach dem alle geduscht hatten fuhren wir am Abend zu einem Abschlussessen zur Tranquera. In der Runde fehlte leider Augusto. Er war die Tage zuvor in drei Restaurants gewesen und aufgrund seiner lädierten Nase nicht bedient worden. Es wurde vermutet er sei ein Trinker der sich geprügelt hätte. Ein viertes Mal wollte er sich deshalb die Blöße nicht geben und blieb im Hotelzimmer. Schade! Wir erlebten einen wunderbaren Abend und waren froh, dass Georg uns häufig als Dolmetscher zur Seite stand. :)

Vielen Dank an unsere Peruaner mit denen wir viele tolle Touren erleben durften, den Gastgeber, unseren super Dolmetscher und natürlich dem Rest für die strapazierten Nerven! :) Im Hotel stiegen wir nur noch in die Schlafsäcke und schlummerten unserem vorletzten Tag entgegen.

Teil 6: “Tagestour nach Coroico

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